Der Torhüter

HANDBALLTRAINING Lesezeit : 10 min Aktualisiert 9. August 2026
Der Torhüter ist ein eigener Ausbildungsweg. Was den Experten auszeichnet, ist nicht die rohe Reaktionsgeschwindigkeit: Es ist die Antizipation — das Lesen der Hinweise des Werfers. Die gute Nachricht: Das lässt sich trainieren.

Antizipation vor Reflexen

Eine biomechanische Referenzstudie (Rojas et al., 2011, Journal of Sports Sciences) hat gemessen, dass Experten-Torhüter ihre Bewegung rund 193 ms vor dem Abwurf des Balls auslösen, mit 67 % Paraden — gegenüber 209 ms und nur 24 % bei Anfängern. Der Experte wartet länger, liest den Arm des Werfers und entscheidet dann. Die Folgerung für den Trainer: das Lesen trainieren (Arm, Schulter, Schritte des Werfers), nicht nur die Geschwindigkeit.

Die Grundstellung

  • Gewicht auf beiden Beinen, Füsse schulterbreit, Fersen leicht abgehoben.
  • Beine gebeugt, Rumpf aufrecht, Kopf hoch.
  • Arme offen, Hände auf Schulterhöhe in der Verlängerung der Arme. Selbstkontrolle: Der Torhüter muss beide Hände sehen, während er auf den Ball schaut.

Klassische Fehler junger Torhüter: gestreckte Arme über dem Kopf, Arme zu tief (hohes Parieren unmöglich), gestreckte Beine (verzögerte Reaktion), zu breite Fussstellung.

Stellungsspiel und Winkel

Der Torhüter steht auf der Winkelhalbierenden des Winkels aus Ball und beiden Pfosten, 1 bis 1,5 m vor seiner Linie — nie darauf. Immer während des Passes verschieben, zum Ball hin, um nie verdeckt zu sein. Ein Schritt heraus zum Werfer verkleinert die sichtbare Torfläche deutlich und schliesst den Winkel.

Torhüter · Stellungsspiel

Den Wurfwinkel verkleinern

Auf der Winkelhalbierenden Ball–Tor stehen; der Schritt zum Werfer hin verkleinert das sichtbare Tor.

Das Tor von vorne: Wie das Herauskommen des Torhüters zum Werfer die Zielfläche verkleinert. Das Tor ist unten im Bild gezeichnet, vom Feld aus gesehen; der Werfer und sein Ball stehen oben, in der Mittelachse. Zwei farbige Zonen laufen vom Ball zum Tor. Die breitere, in blassem Blau, öffnet sich über die ganze Torbreite: Das sieht der Werfer, wenn der Torhüter auf seiner Linie bleibt — diese Position ist transparent hinten im Tor angedeutet. Die zweite, in Gold, ist deutlich schmaler und deckt nur noch einen zentralen Ausschnitt des Tors ab: Das bleibt übrig, wenn der Torhüter einen bis anderthalb Meter auf ihn zugeht — diese Position ist voll gezeichnet, klar vor der Linie. Ein Pfeil verbindet die beiden Positionen des Torhüters. Er hat sich nicht seitlich bewegt, er ist nur auf der Winkelhalbierenden Ball–Tor nach vorne gekommen, und die sichtbare Torfläche ist um rund 40 % kleiner. Werfer TW TW 1–1,5 m herauskommen Sichtbares Tor verkleinert (~40 %)

Immer zum Ball hin verschieben, um nie verdeckt zu sein. 1–1,5 m vor der Linie bleiben, nie darauf.

Paraden nach Wurfart

  • Distanzwürfe (9 m): Parade mit beiden Händen zuerst; « Stern » bei hohen, nahen Würfen, Grätschsitz bei tiefen; die Beinparade startet mit dem Knie zuerst. Nicht zu früh raten, sich nicht « im Schatten » des Blocks verstecken.
  • Würfe von aussen: die kurze Ecke mit Bein, Hüfte und Rumpf am Pfosten schliessen, beide Hände hoch; Schritt für Schritt zum Ball hin vorrücken. Fehler: das ferne Bein zu früh heben, die kurze Ecke aufgeben.
  • Duell (1 gegen 1): früh herauskommen, um das Tor zu verkleinern, dann stabil stehen; Geduld, die Parade entscheidet sich im Moment des Abwurfs; die eigene Wahl variieren, um nicht lesbar zu sein.
  • Siebenmeter: auf die Wurfhand schauen, Knie gebeugt, nicht auf Finten anspringen. Man kann eine Ecke « anbieten », indem man einen Arm senkt, um den Werfer zu lenken. Auf höchstem Niveau ist eine Paradenquote um 30 % bereits ein Erfolg (Rojas et al.) — sagen Sie das Ihren jungen Torhütern.
Torhüter · Paraden

Parieren nach Wurfart

Vier Situationen, vier unterschiedliche technische Antworten.

Distanzwurf · 9 m

Zuerst mit beiden Händen blocken. Nicht früh raten, sich nicht « im Schatten » des Blocks verstecken.

Wurf von aussen

Die kurze Ecke schliessen: nahes Bein, Hüfte und Rumpf an den Pfosten. Beide Hände hoch.

Eins gegen eins

Früh herauskommen, um das Tor zu verkleinern, dann stabil stehen. Geduldig bleiben, parieren im Moment des Abwurfs.

Siebenmeter

Auf die Wurfhand schauen, Knie gebeugt, den echten Wurf abwarten (nicht auf Finten anspringen). Eine Ecke anbieten. Elite-Paradenquote ~30 %.

Der Abwurf: erster Angreifer

Der Torhüter ist « der erste Angreifer und der letzte Verteidiger ». Direkt nach der Parade: gespannter Abwurf in den Korridor vor oder hinter einen Verteidiger, über die erste Reihe hinweg, oder lang direkt auf das leere Tor bei gegnerischem 7 gegen 6. Zu vermeiden: der langsame Bogenball, der der gegnerischen Abwehr Zeit gibt, sich wieder zu ordnen. Den Abwurf in derselben Übung trainieren wie die Parade — siehe den Tempogegenstoss.

Das Mentale der Position

Mut, Konzentration, Vertrauen — und eine ungerechte Asymmetrie: Die Fehler des Torhüters sind sichtbarer als die der Feldspieler. Installieren Sie ein Reset-Ritual nach jedem Gegentor: ein Atemzug, eine Geste (die Pfosten berühren), eine Formel (« analysieren, anpassen, vergessen »). Bemerkenswert: Eine slowenische Studie (Kajtna et al., 2012) fand keinen Unterschied in der Ängstlichkeit zwischen erfolgreicheren und weniger erfolgreichen Torhütern — die Position « erzeugt » keine Ängstlichen.

Einen Torhüter ausbilden, nach Alter

  • U9–U11: Schaumstoffbälle, den Ball ohne Angst zähmen, Motorik, Spass. Die « geschulte Abwehr » des Gesichts nicht zu früh lehren: In diesem Alter werfen die Kinder ungenau, und der Torhüter bekäme wiederholt Bälle an den Kopf.
  • U11–U13: Bewegungsbogen im Halbkreis, seitliche Beinarbeit, erste Abwürfe, Würfe aus kurzer Distanz.
  • U13 und darüber: Entscheiden unter Druck, Kommunikation mit der Abwehr, Lesen der Hinweise, Video. Die EHF widmete ihren Goalkeeper Summit 2025 (Wien) dem Stellungsspiel, der Koordination, dem Lesen der Wurfrichtungen und der offensiven Rolle des Torhüters. Die grossen Torhüter erreichen ihren Höhepunkt oft um die dreissig — der Weg ist lang, sagen Sie es den Eltern.
Übung · Torhüter

Torhüter · kurze Reaktionsserien

Serien von 5-6 schnellen Würfen, wechselnde Ecken · zwischen jedem Wurf zurück in die Grundstellung.

Das Tor von vorne: Drei Werfer wechseln Würfe in verschiedene Ecken ab, ein Reaktionstraining für den Torhüter. Das Tor füllt den oberen Bildrand, der Torhüter steht zentral in seiner Grundstellung. Drei Werfer sind im Bogen vor ihm verteilt: einer links, einer in der Mitte, einer rechts. Von jedem geht eine goldene gestrichelte Wurfbahn aus, und keine zielt auf dieselbe Stelle: Die von links steigt in den linken oberen Winkel, die aus der Mitte fällt zur rechten Seite, und die von rechts kreuzt diagonal bis auf die linke Seite. Dieses Kreuzen macht die Übung aus: Die Position des Werfers verrät nicht mehr, welche Ecke kommt — der Torhüter muss zwischen jedem Wurf zur Mitte zurückkehren und neu reagieren. TW 2-3 Werfer

Den Ball abfedern (nicht schlagen) · hohe Würfe mit beiden Händen parieren · KURZE Serien, damit Tempo und Konzentration erhalten bleiben.

Quellen

Rojas, Gutiérrez-Dávila, Ortega, Campos & Párraga (2011), Journal of Sports Sciences 29(12) · Verbandshandbücher zur Torhüterausbildung (Nowiński; Papić / Pavlič, EHF Master Coaches) · Kajtna et al. (2012) · EHF Goalkeeper Summit 2025. Das Reset-Ritual ist ein konzeptioneller Transfer aus der Psychologie der Fussballtorhüter. Inhalt geprüft im Juli 2026.

Die Torhüterübungen (kurze Serien, Stellungsspiel im Dreieck) stehen im Hub Handballtraining, Filter « Torhüter ».
Zuletzt aktualisiert: 9. August 2026 ID : help.handball.torhueter