Technische Grundlagen

HANDBALLTRAINING Lesezeit : 10 min Aktualisiert 9. August 2026
Vier Familien von Elementen formen einen Handballspieler: der Pass, der Wurf, die Finte und das Spiel ohne Ball (Laufwege, Sperren). Jedes Element wird von klein auf beidseitig gelernt — der schwache Arm eines U11 wird die Waffe eines Aktiven.

Die Passarten

Die vollständige Palette: gerader Pass (die Referenz), Bodenpass (um den Kreisläufer unter den Armen der Abwehr anzuspielen), Handgelenkpass (kurz, verdeckt), Sprungpass (über die Abwehrreihe), Pass mit der schwachen Hand. Zu trainieren im Dreieck, in Bewegung, dann unter Abwehrdruck.

  • Fangen: beide Hände als Stossdämpfer, Finger nach oben über Brusthöhe, DEM Ball entgegengehen.
  • Abspielen: in den Pass hineingehen, Blick zum Spiel (nicht auf den Ball), den Pass nicht « ankündigen » — das periphere Sehen entscheidet.
Übung · Technik · Passen

Aufwärmen · Passdreieck

U9→Senior · 8-10 Min. · 1 Ball / Trio · Dreieck mit 4-5 m Abstand.

Aufwärmstation: drei Spieler, drei Hütchen im Dreieck, Pässe und Rotation. Drei orange Hütchen markieren ein Dreieck mit etwa vier bis fünf Metern Seitenlänge, zwei an der Basis und eines an der Spitze. An jedem Hütchen steht ein Spieler. Drei goldene gestrichelte Pfeile verbinden die Hütchen zu einer geschlossenen Schleife: Der Ball geht vom Spieler unten links zur Spitze, wieder hinunter zum Spieler unten rechts und dann der Basis entlang zurück zum ersten. Ein vierter, gebogener und deutlich anderer Pfeil folgt dem ersten Spieler: Nach seinem Pass bleibt er nicht stehen, er läuft zu dem Hütchen, das er gerade angespielt hat. So folgt jeder Spieler seinem Pass und nimmt den Platz des nächsten ein. Das Dreieck dreht sich ununterbrochen, und niemand wartet. 1 2 3 Passen, dann dem eigenen Pass zum nächsten Hütchen folgen · Rotation
KERNPUNKTE

Mit beiden Händen weich fangen · in den Pass hineingehen · Kopf hoch.

PROGRESSION

Passarten variieren (gerade, Bodenpass, Handgelenkpass, schwache Hand) → passiver, dann aktiver Verteidiger.

Übung · Passen

Doppelpass zum Tor

Zwei Reihen an der 9-m-Linie · 12 Min. · 4-8 Spieler. Der Lauf startet nach dem Pass.

Halbfeld: die Doppelpass-Schleife, vom ersten Pass bis zum Abschluss vor dem Tor. Zwei Spielerreihen, A links und B rechts, stehen 9 Meter vor dem Tor, beidseits der Mittelachse. Die Bewegung liest sich in vier Schritten. Zuerst ein flacher goldener gestrichelter Pass von A zu B. Dann, und erst dann, startet A: Ein durchgezogener Pfeil verlässt seine Position und läuft in einer Kurve in die Lücke, nach innen, Richtung 6-Meter-Linie. Der Lauf beginnt nach dem Pass, nie davor. B gibt den Ball mit einem zweiten goldenen gestrichelten Pass zurück, der nach vorne zieht — dorthin, wo A sein wird, nicht dorthin, wo er war. Schliesslich führt ein kurzer durchgezogener Pfeil A bis an den Torraum, vor den Torhüter, zum Abschluss. Passgeber und Empfänger kreuzen sich nie: Der Versatz zwischen Pass und Lauf schafft den Raum. TW A B Rückpass Lauf

Ball mit hoher Hand fordern · Abschluss per Sprungwurf. Schwieriger: Verteidiger in der Lücke, max. 2 Ballkontakte.

Der Sprungwurf

Die charakteristische Bewegung des Handballs, ab U11 einzuführen und bis auf höchstes Niveau zu verfeinern. Die vollständige Sequenz:

  1. Während des Anlaufs den Ball auf Schulterhöhe bringen.
  2. Der dritte Schritt ist explosiv und lang — ein Rechtshänder setzt links-rechts-links und springt vom linken Fuss ab (der Linkshänder spiegelverkehrt).
  3. In der Luft: Hüfte und Wurfarm ziehen nach hinten auf (« aufziehen »), das Knie des freien Beins steigt bis zur Horizontalen.
  4. Der Arm peitscht nach vorn, die Hand « zeigt » nach dem Abwurf zur Zielecke.
  5. Auf dem Absprungbein landen.

Klassische Fehler: den Arm zu früh strecken (« wie ein Fechter ») und vom falschen Fuss abspringen. Progressionen: 3 → 2 → 1 Schritt, Absprung vom « falschen » Bein, ein Blockspieler dazu. Erleichterungen: Wurf aus dem Stand, grösseres Ziel, ohne Torhüter.

Technik · Wurf

Der Drei-Schritt-Rhythmus · Sprungwurf

Rechtshänder: Schritte links–rechts–links (1-2-3), Absprung vom linken Fuss.

Ball während des Laufs auf Schulterhöhe bringen · explosiver 3. Schritt · Hüfte und Wurfarm nach hinten aufgezogen · freies Knie hoch · der Arm zieht explosiv durch · zur Zielecke zeigen · Landung auf dem Absprungbein.

Häufiger Fehler: den Arm zu früh strecken (« wie ein Fechter ») · vom falschen Fuss abspringen.

Das Wurfrepertoire

  • Sprungwurf — die Waffe des Rückraums.
  • Schlagwurf / Hüftwurf — schneller Abwurf aus festem Stand, nützlich im Getümmel.
  • Aussenwurf aus spitzem Winkel — die anspruchsvollste Wurfposition: den Winkel durch den Absprung ins Feld hinein gewinnen und den Abwurf über den herauskommenden Torhüter verzögern.
  • Würfe des Kreisläufers — Drehwürfe, einhändige Ballannahmen im Kontakt, Fallwürfe.
  • Abschlüsse im Tempogegenstoss — Wurf aus dem Lauf, Heber über den herauskommenden Torhüter, Duell.
  • Aufsetzer und Kempa-Trick — Abschlussvarianten, einzuführen, wenn die Basis sitzt.
  • Siebenmeter — Täuschung, Platzierung in den Ecken, Lesen des Torhüters.
Übung · Wurf

Aussenwurf aus spitzem Winkel

Absprung ins Feld hinein , um den Winkel zu öffnen · verzögerter Abwurf über den Torhüter.

Halbfeld: Lauf und Absprung eines Linksaussen ins Feld hinein vor seinem Wurf. Der Linksaussen startet in der linken Ecke, dicht an der 6-Meter-Linie, dort, wo das Tor nur schräg zu sehen ist und der Wurfwinkel am spitzesten ist. Ein durchgezogener Pfeil beschreibt seinen Lauf: Er folgt nicht der Seitenlinie, er biegt zur Feldmitte hin ab, diagonal Richtung Torraum. Sein Abwurfpunkt liegt damit deutlich näher an der Mittelachse als sein Startpunkt, und die sichtbare Zielfläche wird grösser. Von diesem Punkt geht ein goldener gestrichelter Pfeil aus, der Wurf, der über den Torhüter hinweggeht, der vor seinem Tor in der Mitte des unteren Bildrands steht. TW LA Absprung ins Feld hinein

Raum INS Feld gewinnen (nicht der Linie entlang) · Heber / kurze Ecke / Aufsetzer variieren.

Finten und 1 gegen 1

Die Finte macht aus dem Handball statt eines Kraftspiels ein Spiel der Intelligenz. Die Basis: die Durchbruchfinte (klarer Ansatz zu einer Seite — Schritt + Schulter —, Explosion zur anderen), die Wurffinte (aufziehen, den Block steigen lassen, durchbrechen) und die Passfinte. Fortgeschritten: Doppelfinte, Stop-and-go, Drehung, Step-back. Zwei goldene Regeln: Die Finte spielt sich auf Armlänge zum Verteidiger ab, und den Unterschied macht der Rhythmuswechsel, mehr noch als der Richtungswechsel.

Übung · 1 gegen 1 & Finten

1 gegen 1 · die Durchbruchfinte

Ansatz zu einer Seite (Schritt + Schulter), Explosion zur anderen. Beidseitig arbeiten.

Nahaufnahme eines 1 gegen 1: Ansatz zu einer Seite, dann Durchbruch zur anderen. Eine gestrichelte Linie oben im Bild markiert die 9 Meter; der Verteidiger in Blau steht direkt dahinter. Der Angreifer in Gold, mit Ball, steht ihm etwa auf Armlänge gegenüber. Zwei Wege gehen vom Angreifer aus. Der erste, fein gestrichelt und mit « 1 · Finte » beschriftet, ist kurz und läuft diagonal nach links: Schritt und Schulter zu einer Seite eingesetzt, gerade genug, um den Verteidiger kippen zu lassen, ohne die Linie je zu überqueren. Der zweite, mit « 2 · Durchbruch » beschriftet, ist ein deutlich dickerer durchgezogener Strich, der zur Gegenseite startet, den Verteidiger rechts umgeht und über die 9 Meter hinaus weiterläuft. Der Kontrast zwischen dünnem und dickem Strich sagt das Wesentliche: Die Finte ist kurz und zurückgehalten, die Explosion danach ist kompromisslos. 9 m D A 1 · Finte 2 · Durchbruch

Die Finte spielt sich auf Armlänge ab · Wechsel des Rhythmus > Richtungswechsel.

Sperren und Blöcke

Die Sperre des Kreisläufers für einen Rückraumspieler bei 9 Metern muss stehend gesetzt werden, um regelkonform zu sein. Der Kreisläufer stellt die Sperre Schulter an Schulter am Verteidiger, der Rückraumspieler streift eng vorbei, und der Kreisläufer « rollt » danach zum Tor ab, um anspielbar zu werden. Das ist der Grundbaustein der Abläufe zu zweit — siehe Die Taktik.

Quellen

EHF-Grundlagen Stufe 1 · technische Merkblätter von Sportplan (Sequenz des Sprungwurfs, sinngemäss zitiert) · Lehrkonventionen der europäischen Handballschulen. Inhalt geprüft im Juli 2026.

Diese Elemente stehen als filterbare Übungen (mit Progressionen und Erleichterungen) im Hub Handballtraining.
Zuletzt aktualisiert: 9. August 2026 ID : help.handball.technik-grundlagen