Unsere Bänder sind die von niemandem
Ein Fechtmeister, der die Einteilung einer Software mit der seines Verbandes vergleicht, muss wissen, welche er gerade vor sich hat. Unsere vier Bänder dienen dazu, Inhalte zu filtern — Prioritäten, Übungen, Anhaltspunkte. Sie ersetzen weder die Kategorien der FFE noch die von Swiss Fencing noch die der FIE. Wenn eine Vorgabe weiter unten von einem Verband stammt, wird er genannt; wenn sie abgeleitet ist, steht es dabei.
Sieben Verbände, sieben Einteilungen
Sieben Verbände, sieben inkompatible Raster
Ein französischer M11 ist kein britischer U12, und der ist kein Schweizer U12. Eine saubere Umrechnungstabelle existiert nicht — diese hier ist keine.
Drei Arten der Altersberechnung koexistieren: Geburtsjahr auf eine Saison vom 1. September bis 31. August in Frankreich, Alter am 1. Januar in der Schweiz und in Grossbritannien, 31. Dezember des Lizenzjahres in Kanada — und die FIE allein verwendet zwei, Mitternacht am 31. Dezember der Saison für Kadetten und Junioren, im Kalenderjahr erreichtes Alter für die Veteranen. Deutschland fügt eine vierte, eigene hinzu. Diese Raster werden als getrennte Schemata gespeichert, nie als eines.
| Verband | Einteilung | Alter berechnet nach |
|---|---|---|
| FFE (Frankreich) | M5 «Éveil» · M7 · M9 · M11 · M13 · M15 · M17 · M20 · M23, mit Unterjahrgängen (M13-1, M20-2…) | Geburtsjahr, Saison 1. September → 31. August |
| Swiss Fencing | U8 · U10 · U12 · U14 · U17 · U20 · U23 — eine Einteilung in geraden Zahlen | Alter am 1. Januar |
| DFB (Deutschland) | U11 · U13 · U15 · U17 · U20 — ungerade Zahlen. U9 existiert, ist aber keine eigene Kategorie | Regel der geteilten Saison: das vollendete Altersjahr in dem Kalenderjahr, in dem die Saison beginnt |
| British Fencing | U12 · U14 · U16 · U17 · U18 · U20 · U23 — Ranglisten aber nur in U14, Cadet, Junior, U23 und Senior | Alter am 1. Januar (das Mindestalter für Junior/Senior wird dagegen am Tag des Wettkampfs beurteilt) |
| USA Fencing | Y8 · Y10 · Y12 · Y14 — bewusst überlappende Bänder, die sich zudem mitten in der Saison an den Junior Olympics ändern | Geburtsjahre, zwei aufeinanderfolgende Tabellen pro Saison |
| Kanada (CFF) | U13 · U15 · U17 · U20 · U23, mit Altersuntergrenzen und ausdrücklich nicht exklusiven Kategorien | 31. Dezember des Lizenzjahres |
| FIE | Cadet · Junior · Senior · Veteranen (4 Tranchen) | Mitternacht am 31. Dezember der Saison für Kadetten und Junioren; für die Veteranen das im Kalenderjahr erreichte Alter |
Die publizierten Umfänge
Wie viele Stunden pro Woche, nach Altersband
J+S-Handbuch Fechten (BASPO) — die einzige vollständige Tabelle der Wochenstunden nach Alter, die eine Institution publiziert, in welchem Land auch immer.
- 5 – 10 — Die Grundlagen des Fechtens spielerisch lernen
- 11 – 12 — Trainieren lernen, polysportive Trainingskultur
- 13 – 14 — Trainieren, um zu trainieren
- 15 – 17 — Trainieren für den Wettkampf
- 18 – 20 — Trainieren, um zu gewinnen
Das Band 5–10 Jahre ist mit seiner internen Aufteilung publiziert: 20 Minuten Aufwärmen und Kondition, 10 Beinarbeit, 20 Einzel- oder Gruppenlektion, 10 gelenkte Gefechte, 30 freie Gefechte. Das Handbuch enthält in diesem Alter keinerlei Krafttraining mit Lasten — dieses Fehlen ist selbst eine Position.
Ein einziger Verband publiziert eine vollständige Umfangstabelle nach Altersband: Jugend+Sport, in der Schweiz, im Trainingshandbuch Fechten. Es ist das am besten wiederverwendbare Dokument, das es gibt — über alle Sprachen hinweg.
- 5-10 Jahre — 2 bis 4 h pro Woche. Erklärtes Ziel: die motorischen Grundfähigkeiten entwickeln und die Grundlagen des Fechtens spielerisch erlernen. Einheit von rund 1 h 30, mit gedruckter Aufteilung: 20 Min Einwärmen und Kondition · 10 Min Beinarbeit · 20 Min Einzel- oder Gruppenlektion · 10 Min geleitete Gefechte · 30 Min Freifechten.
- 11-12 Jahre — 4 bis 7 h. «Trainieren lernen», in einer polysportiven Kultur. Einheit von rund 2 h.
- 13-14 Jahre — 7 bis 11 h. «Trainieren, um zu trainieren».
- 15-17 Jahre — 11 bis 15 h. «Trainieren für den Wettkampf». Einheit von rund 2 h 30.
- 18-20 Jahre — 16 bis 20 h. «Trainieren, um zu gewinnen».
Auf französischer Seite publiziert die FFE weder Dauer noch Frequenz des Klubtrainings. Ihre einzigen Zahlen rahmen die Jugendturniere: maximal 3 Stunden, nicht mehr als 4 Stunden Anwesenheit, keine Unterbrechung von mehr als 30 Minuten zwischen zwei Runden. Ihre Förderstrukturen setzen dagegen Stunden-Untergrenzen: mindestens 8 h pro Woche im CPF (Collège-Alter, M13-M15), mindestens 10 h im CFF (Lycée-Alter, M17-M20).
Mit welcher Waffe beginnen?
Kein Verband publiziert eine Regel zur Anfangswaffe. «Florett zuerst» ist eine Gewohnheit der Klubs und der Trainerausbildung, keine Verbandspolitik — geprüft bei der FFE, British Fencing, USA Fencing, Swiss Fencing, dem DFB und dem kanadischen Verband.
- Die französische Antwort ist materiell statt doktrinär: das Schulset «Premières Touches» enthält eine für alle drei Waffen einsetzbare Waffe aus Polyamid, dazu eine Florettglocke, eine Degenglocke und ein Säbel-Capuce. Man wechselt die Glocke, nicht die Waffe.
- Was die FFE bei den Jungen wirklich vorschreibt, sind Griff und Klinge, nicht die Waffe: gerader Griff obligatorisch von M7 bis M13, freie Wahl ab M15; Daumen und Zeigefinger bis M11 ständig in Kontakt mit dem Griffkissen; «das Vorbeisetzen des hinteren Fusses vor den vorderen Fuss ist verboten».
- Nur Kanada sagt, wann spezialisiert wird: in der Etappe «Train to Train» — mit dem Hinweis, dass Fechten ein Spätspezialisierungssport ist und Jugendliche mehrere Sportarten weiterbetreiben sollen.
- Die Schweiz lehrt die Konventionen spät: das Band 5-10 Jahre erhält eine «einfache Einführung in Regeln und Ethik», die waffenspezifischen Konventionen erscheinen erst mit 11-12 Jahren.
Stufen und erste Wettkämpfe
- Frankreich — das System heisst «Lames & Armes». Fünf waffenübergreifende Stufen (Lame Blanche, Jaune, Rouge, Bleue, Verte), dann vier Stufen pro Waffe (Acier, Bronze, Argent, Or: das Florett aus Stahl, der Degen aus Bronze, der Säbel aus Silber…). Die Lame Blanche ist die Einstiegsstufe. Die «blasons» sind kein FFE-System, und die unter diesem Namen kursierende Farbfolge entspricht den Judo-Gürteln. Ebenso ist «baby escrime» kein Verbandswort: die FFE sagt «Éveil», und M5 heisst formell «Éveil escrime», ohne jedes Wettkampfformat.
- Wettkampf erlaubt ab M9. Keine Elimination und keine Einzelrangliste bis M11 — an ihre Stelle treten formative Bewertungsraster; die Einzelrangliste erscheint erst ab M13. Die Belohnungsregel ist ausdrücklich: «bei den Jungen sind alle Teilnehmenden zu belohnen».
- Grossbritannien: MiniSword von 5 bis 7 Jahren, dessen drei Farben physischen Qualitäten entsprechen (grün = Koordination, blau = Gleichgewicht, gelb = Agilität); dann GO/FENCE Bronze-Silber-Gold ab 8 Jahren; dann sechs Stufen pro Waffe, ebenfalls ab 8 Jahren.
- Schweiz: kein Stufensystem. Der Verband hat 2024 Smart Fencing für die U8-U10 geschaffen: keine Elimination, für jedes Kind dieselbe Anzahl Gefechte, eine Medaille für alle, Ranglisten unbeachtet, der Anlass in einem halben Tag abgeschlossen — mit dem erklärten Gestaltungsziel, Resultate von 8 zu 0 zu vermeiden.
Der Einbruch mit 15
Die nützlichste Zahl dieses Leitfadens stammt aus den Lizenzdaten des INJEP und des französischen Sportministeriums. 2023 zählt der französische Fechtverband (FFE) 53 560 Lizenzen, davon 14 273 bei den 5-9-Jährigen, 15 829 bei den 10-14-Jährigen und 5 701 bei den 15-19-Jährigen. Zwischen den beiden letzten Bändern beträgt der Einbruch −64 % — 2019 lag er bei −65 %, er ist also strukturell und nicht COVID-bedingt. 57,6 % der französischen Lizenzen werden von unter 15-Jährigen gehalten.
Quellen
FIE-Organisationsregeln (Dez. 2025, o.29 und o.114) · FFE: Règlement Sportif 2025-2026, Règlement des Manifestations pour Jeunes Escrimeurs, Règles Techniques et de Sécurité, Diplome «Lames & Armes», Leitfaden «Premières Touches» · Swiss Fencing, Alterskategorien 25/26 und Smart Competition 2.0 · J+S, Trainingshandbuch Fechten (BASPO) · DFB Sportordnung §7 · British Fencing, Kategoriendefinitionen und Achievement Awards · USA Fencing Athlete Handbook 2025-26 · Canadian Fencing Federation LTAD (2010) · Lizenzdaten INJEP / französisches Sportministerium, 2019 und 2023. Die langfristigen Entwicklungsmodelle sind Expertenkonsense: kein kontrollierter Versuch belegt, dass es die Langzeitresultate verbessert, einem davon zu folgen. Inhalt geprüft im Juli 2026.
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